Liebe Sarah,...

"Gros Bisous" – ich muss schmunzeln. Dieser Gruß stand auf jedem Brief, den Sarah und ich uns schrieben. Als ich den türkisfarbenen Schuhkarton mit all unseren Briefen öffne, fällt mir einer vom 16. August 2003 in die Hände. Damals war ich dreizehn Jahre alt. Sarah und ich lernten uns während eines Schüleraustausches in der 7. Klasse kennen. Sie kam aus Frankreich und wir verbrachten damals etliche Tage gemeinsam. Anschließend schrieben wir Briefe. Verziert mit kleinen Zeichnungen, Freundschaftsbekundungen und kleinen Geschenken. Auch die Umschläge wurden reichlich dekoriert, sicher sehr zur Freude des Postboten bzw. Postbotin. Ich habe die Briefe alle aufgehoben und bin froh darüber. Sie enthalten Erinnerungen, die einen Teil meines Lebens dokumentieren.


Heute ist es ein kleines Fest, echt Post zu erhalten. Der handgeschriebene Brief stirbt aus, wie einst die Dinosaurier, der Game Boy oder der Süßigkeitladen ums Eck. Briefe haben keinen Platz in unserem schnelllebigen Alltag. Kommunikation läuft mittlerweile überwiegend über digitale Wege. Verstehen kann ich das natürlich irgendwo – schließlich lebe ich doch selbst ein ziemlich vollgepacktes Leben. Und dennoch: Aufgegeben habe ich das Briefeschreiben nie. Aktuell tausche ich mit einer älteren Dame aus Süddeutschland Briefe.


Dass auch andere Menschen an der analogen Post festhalten, zeigen etliche Bewegungen. So können Brieffreunde über postcrossing.com Gleichgesinnte finden. Das Prinzip ist simpel: Für jede Postkarte, die man selbst verschickt, erhält man eine zurück. Auch der britische Designer Craig Oldham hält am handgeschriebenen Brief fest. Er rief das Projekt handwrittenletterproject ins Leben für das er Menschen bittet, ihm eine Karte oder einen Brief zu schreiben. Ein weiteres Post-Projekt, das zeigt, wozu Briefe fähig sind, ist die Herzpost von Fotografin Pia Pritzel. Das Motto: Helfe benachteiligten Kinder und sei dabei noch kreativ! Ziel ist das Aufbauen von Brieffreundschaften mit strukturell benachteiligten Kindern und Flüchtlingen.


Nachdem ich neulich durch alte Briefe gestöbert hatte, war die Lust groß, Sarah zu schreiben. "Chère Sarah..." begann ich und brachte sogar noch ein paar französische Sätze zustande. Mittlerweile lebt Sarah in Amsterdam. Sie bedankte sich über What‘s App, versprach aber, mir auch einen Brief zu schreiben. Darauf freue ich mich jetzt schon!



Wenn du auch Lust hast in Erinnerungen zu schwelgen und dich mit anderen Brieffans über deine Brieferfahrungen austauschen möchtest, könnte mein Kurs Die Briefe deines Leben genau das richtige für dich sein. Darin lernst du auch, wie du Briefe als Inspiration für deine Projekte nutzen kannst. Probestunden sind jederzeit möglich. Schreibe mit einfach eine Mail an: nichtsalsworte2020@gmail.com

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