Coronamüde – wie schreiben in der gruppe helfen kann



Der Lockdown nervt. Wohl kaum jemand hat das noch nicht gedacht. Dass nun erneut Einschränkungen anstehen, macht vielen Menschen zu schaffen.

Je länger Corona dauert, desto weniger Lust habe ich irgendetwas zu machen, schrieb neulich eine Freundin. Als ich ihre Worte las, erschrak ich. Lena* (Name geändert) ist eine dieser Menschen, die normalerweise immer Energie haben, sofort auf Sms antworten und keine spontanen Ausflüge scheuen. Dass sie mal keine Lust mehr auf all das haben könnte, machte mich nachdenklich.


Auch weil ich diese Wellen der Lustlosigkeit selber spüre. Mir fehlt die Vorfreude auf den Abend mit Freunden, den anstehenden Urlaub oder den Besuch im Kino. Natürlich sind das Luxusprobleme beim Blick in die Welt und all der Not, die herrscht. Und dennoch: Der Lockdown beeinflusst uns und unseren Alltag. Wir wachen seit einem Jahr mit Inzidenzwerten und Fallzahlen auf – ohne Aussicht auf Besserung. Nur logisch, dass Körper und Geist reagieren: mit Unlust und Gleichgültigkeit. Aber wie gelingt es uns, über das Corona-Loch herüber zu hüpfen, anstatt hinein zu fallen?


Schreiben – und zwar nicht allein, sondern in der Gruppe. Schreiben mit völlig fremden Menschen? Niemals!, schrieb Lena mir auf meinen Vorschlag hin. Als sie dann doch eines Vormittags an meinem Kurs teilnahm, änderte sich ihre Einstellung. Ich fühle mich viel fröhlicher und habe jetzt irgendwie Lust ein neues Projekt zu starten, sagte sie.


Sich selbst zu entlasten, um mit leichterem Gepäck den Alttag zu bestreiten, ist wichtig und Schreiben kann diesen Prozess unterstützen. Sich frei zu schreiben, ist möglich – sogar in den scheinbar ausweglosen Situationen, wie im Gefängnis. Schreiben ist in Gefängnissen ein gängiges Tool, um sich die Last von der Seele zu schreiben.


Schreiben in der Gruppe ist ein bisschen wie Zauberei. Dabei verwandeln sich negative Gefühle oft in positive. Natürlich gelingt das nicht immer, aber eben oft. Denn im Austausch mit anderen Menschen, gesehen, gehört und verstanden zu werden, ist allein schon eine Bereicherung und kann uns definitiv helfen, sicher durch den nächsten Lockdown zu steuern.



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